Moral_Staat_Norm
2.10. - 31.10.2026: Künstlerische Intervention im öffentlichen Raum, LED-Wand, 4 x 70 m, täglich 20:00 - 23:00, Schadowstr. 38, Kö-Bogen II, 40212 Düsseldorf: https://take-a-bow.art/
Die Arbeit Moral_Staat_Norm ist für eine großflächige LED-Wand im öffentlichen Raum konzipiert, den ich nicht allein als von Menschen gestalteten 3-dimensionalen urbanen Raum verstehe, sondern auch als öffentlichen Diskursraum und Abbild bzw. physische Manifestation gesamtgesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Für Moral_Staat_Norm habe ich Begriffe ausgewählt, die für diese Aushandlungsprozesse meiner Einschätzung nach fundamental sind, habe diese in eine bestimmte Reihenfolge gebracht und als Text-Video-Arbeit animiert. Die Begriffe „Moral“, „Staat“, „Norm“, „Macht“, „Agenda“, „Wahrheit“ usw. sind von mir subjektiv zusammengestellt um eine Art von Matrix zu bilden, die dem öffentlichen gesellschaftspolitischen Diskurs und den sich daraus ergebenden Lebensrealitäten zugrunde liegt.
Diese Matrix spielt aus meiner Sicht auch in aktuellen gesellschaftspolitischen Aushandlungen und Konflikten der Demokratie in der Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen Bewegungen wie Autoritarismus und der neuen Rechten, sowie mit totalitären und postfaktischen Strömungen eine wichtige Rolle. Beispielsweise bilden „Wissen“, „Wahrheit“, „Fakt“ potenziell ein Spannungsfeld mit „Doktrin“, „Glaube“, „Agenda“; „Gemeinwohl“ mit „Privileg“, usw.
Die Begriffe sind so gewählt, dass sie von den Betrachterinnen und Betrachtern aus ihren Blickwinkeln und ihrer eigenen politischen und ethischen Verortung heraus jeweils unterschiedlich gedeutet werden können (z.B. „Moral“, „Grundsatz“). Sie sind außerdem so gewählt, dass politischen und speziell demokratischen Aushandlungsprozessen inhärente und unvermeidliche Widersprüchlichkeiten und Gleichzeitigkeiten zu Tage treten können.
Diese gesellschaftspolitische Matrix wird durch ihre Sichtbarmachung, die Erhöhung der Begriffe auf Wahrnehmungsschwelle, sowie durch die Benennung von tiefer liegenden Motivationen menschlichen Handelns als Agens wieder in den öffentlichen Raum, in öffentliche Aushandlungsprozesse und Diskurse eingespeist. Ich verstehe die Visualisierung dieser Begriffs- und Konfliktfelder zum einen als kritischen Impuls; zum anderen als aktuelle gesellschaftspolitische Matrix, auf der sich neue Ideen und Utopien bilden können, bzw. an der sich diese Ideen und Utopien beweisen müssen.
Michael Reisch, 8-2026

